| Konkurrenz in der Liebe: Drum prüfe wer sich ewig bindet
Über das Bedürfnis nach Glück, das den auserwählten Menschen mit dem Auftrag befrachtet, die ziemlich umfassendsten Ansprüche der eigenen Persönlichkeit zufriedenzustellen - die will ja nichts Geringeres, als mit der Welt versöhnt werden -, hält der Standpunkt der Konkurrenz Einzug ins Reich der Liebe. Es geht zu wie auf einem Markt, wenn die Tauglichkeit des Anderen geprüft wird und das vorhandene Gefühl den Verdacht zu bestehen hat, ob es zu Recht vorhanden und von Dauer sei, d. h. sich auf den oder die "Richtige/n" wende. Kaum ist die Zuneigung aufgekommen und hat man Lust auf jemanden, meldet sich der Verstand zu Wort, der dem Gefühl mißtraut und die Leistung, die ihm abverlangt wird und deren es nie und nimmer fähig ist, in Erinnerung ruft mit der kritischen Frage ; ob man sich durch die Festlegung auf eben den/die nichts vergibt. Daß man bei der "Wahl" und Dauer seiner "Verhältnisse" zwischen "spontaner" Neigung auf der einen Seite, der Tauglichkeit dessen, den man sich in einer schönen, aber schwachen Stunde an Land zieht, auf der anderen zu entscheiden hat, weiß ein jeder. Unbefangenes Zusehen, was sich daraus machen läßt, ist weder üblich - noch ratsam, und zwar wegen der unter moralischen Menschen geläufigen Verlaufsformen einer "gescheiterten" Geschichte. So geraten die Abwägungen bezüglich der Kandidaten komisch, und die Berechnung gewinnt, weil dem Ziel der Glückseligkeit verpflichtet, genau die materialistischen Qualitäten, die den Materialismus vor dem Urteil der Moral so niederträchtig erscheinen lassen. Schon die gewöhnlichste Weise, in der sich jemand für ein Exemplar interessiert bis begeistert zeigt, wird da von seinem berechenenden "Gewissen" und seiner Umgebung in Frage gestellt. Die vielgepriesenen Schönheiten erfreuen sich sofort der eifrigsten Relativierung - von "bloß" und "zwar" ’s - als ob das nicht die Quelle des Gefühls wäre. Kein positives Kriterium gilt einfach, weil die berechnende Liebe eben sich ihre Kriterien schafft. Daß sämtliche Eigenschaften des potentiellen und wirklichen Partners nach dem Dienst klassifiziert werden, den sie für das vortreffliche Ich zu stiften haben, ist nebenbei der Grund für die prinzipiell für unmöglich und unzulässig befundene Trennung von Sex und Liebe. Diese wird von modernen Individuen mit ihren "Zwars" und "Abers" vollzogen, ganz so, als wären sie gläubige Christen und hielten die "körperliche Vereinigung" für eine Sache, die dem Menschen, der doch Moral hat, so einfach nicht anstehe. Da gibt es dann die ausdrückliche Absicht , bloß zu vögeln, und die Auffassung, daß eigentlich mehr und Höheres dazugehöre. Zustimmen tuen wir dem nicht, denn in Ernstfall und Bett höchstens das Bett hoch oder niedrig ist. - Die Kritik von Feministinnen, die sich zu Recht an den einschlägigen Praktiken entzündet, wird peinlich, wenn sie in die gar nicht rationale Ideologie übergeht, Frau sein wäre Grund genug für Wertschätzung. "So, wie man ist" anerkannt und unbedingt geliebt zu werden, ein üblicher Anspruch ist, der die Umkehrung der Abqualifizierung und dazugehörigen "Behandlung" zum Ideal wirklicher Liebe erklärt und damit erneut an nichts anderem orientiert als dem Glück.- Ebensowenig taugt die Leistung jener, die ihre "sinnlichen Momente" unter sämtliche Berechnungen subsumieren, fähig sind: des launischen Verstoßes, "spontanen" Verführung so oder andersherum mit nachfolgendem Katzenjammer, weil auch diese Stunden dem "eigentlichen" Glück verpflichtet waren und sich daher dann doch nicht als "Genuß ohne Reue" betrachten lassen ... So machen alle Beteiligten auf dem Gebiet des Mögens ihre schlechten Erfahrungen und erfinden sich und anderen laufend Rezepte, mit den Schwächen und Stärken der Partner ebenso wie mit den eigenen "fertigzuwerden", d. h. sich zu arrangieren. Ganz Findige haben anbetrachts der bekannten Enttäuschungen, den überkommenden Weisheiten - ... "die Liebe ist ein seltsames Spiel" - "heirate bloß nicht" ... - die Promiskuität hinzugefügt; als den, aus den gesammelten Erfahrungen des Unglücks in der Liebe, fälligen Weg. Die Idiotie des Auftrages, den man sich mit der Praktizierung dieses Ideals erteilt, verrät deren Herkunft. Warum sollte man eigentlich nicht mit einer/einem die Freuden des Mögens auskosten? Wenn sich etwas Neues oder mehreres gleichzeitig schiebt, wird Mensch ohnehin zusehen müssen, weil selbe bemerkt, daß Treue ein "leerer Wahn" ist und auch dieses Gebot unter das Sicherheitsbedürfnis des Glückbolzens fällt. Deswegen die Eitelkeit des enttäuschten Glücksspielers, der "weiß", daß ihm alle nicht genügen, in ein Programm umzusetzen, ist töricht - und die Anstregungen blamieren sich vor den praktischen Schwierigkeiten, die gerade negative Moralisten mit dem Aushalten bekommen. Leider gehört auch diese Verwendung des bisschen Trieblebens, das mensch so pflegt, zu den Veranstaltungen, in denen sich selbe die Verrücktheit leisten, sich auf die Repräsentation ihrer vortrefflichen Individualität zu verlegen. |