| Die neuen Wege des Liebesbeweises
Da aus dem Verhältnis der Geschlechter, wie es moralische Subjekte arrangieren, viel Leid und wenig Freud' resultiert, sind die Betreffenden und Betroffenen seit geraumer Zeit entschlossen, "neue Wege" zu gehen. Leider ist dabei die Fortsetzung bürgerlicher Liebeskünste beabsichtigt, und auch die Familienidee nimmt keinen Schaden. Der Versuch, die zersetzenden Wirkungen der "Bindung" zu bremsen, vielleicht gar nicht aufkommen zu lassen, heisst Partnerschaft. Anstelle der früher verbreiteten Manier, lebenslänglich die Zähne zusammenzubeissen und unter Heranziehung christlicher Maximen das Opfer für die Familie als Weiss-Warum ihres eigenen Daseins auf sich zu nehmen, ist modernen Frauen (Personen) ein neues Ideal gekommen. Sie haben die Beschränkungen, die ihnen mit der Funktionalisierung für das gesammelte Privatleben der Gesellschaft aufgeherrscht werden, zum Anlass genommen, erst einmal auf der Anerkennung ihrer Leistung zu beharren; so als ob die Würdigung des Dienstes, gerecht vollzogen nach sämtlichen Gleichheitsgrundsätzen,alles zum Besten regeln würde. Über die Wahrheit, dass Männer mit ihren Frauen umgehen wie mit einem dienstbaren Knecht, der nix zu melden hat und von allem Wichtigen auf der Welt keine Ahnung hat, ist es üblich geworden, auf gleichberechtigte Diskussion zu setzen, so dass das Ideal der Konkurrenz glücklich mit dem der Demokratie vereint war und beide gemeinsam als Kritik an der Rolle der Frau öffentlichkeitswirksam vertreten wurden. Repression heisst dann das Schlagwort, mit dem alle Spezialitäten des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern erschlagen werden - und der Kampf ist einer gegen den Mann, die "Männergesellschaft": "Wieviele Frauen sitzen im Bundestag?" Traurig zu sehen, wie aus dem Entschluss, sich die Kosten des Privatlebens nicht mehr gefallen zu lassen, eine Bürgerinitiative des Inhalts geworden ist, "ganz Frau und trotzdem frei zu sein" - bis hin zu freudigen Bekenntnissen zur Mutterschaft als eines Erlebnis der erlesensten Natürlichkeit! Die Vorstellung vom Recht auf ein frauliches Glück, die Anwendung des Ideals der Kompensation, wie es der Mann gegenüber der Frau geltend macht, durch seine Umkehrung, die Inszenierung fraulicher Initiative als Sonderfall von "Selbstverwirklichung", ist alles, was den Kampf der Geschlechter ausmacht. Inzwischen gehört - zumindest in gehobenen Kreisen - das Begutachten des Verhältnisses von Mann & Frau, die offizielle Bekundung von "Verständnis" zu den Bedingungen einer locker gehandhabten Partnerschaft, zur Demonstration dessen, dass die eigene Liebschaft eine Ausnahme ist und deswegen funktioniert, bis auch hier die methodischen Verrenkungen, die auf das Gelingen der "Zweierbeziehung" berechneten Liberalismen das moderne Glück nicht mehr zu retten vermögen. Dann ist er/sie "autoritär" und "patriarchalisch" - und sie/er kriegt die üblichen "Vorurteile" eben psychologisch serviert. |